Neues zum Thema Baumschutzsatzung: Die den Wald zwar sehen, aber den Baum nicht

  • Veröffentlicht am: 15. November 2019 - 0:00
Alte Bäume bieten auch zahlreichen Tieren Lebensraum

Durch Trockenheit, Feuer, Schädlingsbefall und Stürme ist es in den letzten zwei Jahren zu erheblichen Verlusten im Baumbestand unserer Wälder gekommen. In diesem Ausmaß nicht nur durch den Klimawandel, sondern auch durch eine verfehlte Forstpolitik, vor der grüne Fachleute immer wieder gewarnt haben.

Nun hat mittlerweile wohl jeder mitbekommen, dass Bäume nicht nur als Lieferanten nachwachsender Rohstoffe für die Wirtschaft wichtig sind, sondern auch für das Klima, also für uns alle. So haben die Regierungsparteien im Bund (CDU und SPD) und in Niedersachsen (auch hier CDU und SPD) in zahlreichen Krisensitzungen millionenschwere Aktionspläne beschlossen, um den Wald wieder aufzuforsten und durch Umbau in Mischkulturen, diesen zukünftig widerstandsfähiger machen. Leider wird das Jahrzehnte dauern.

Empört war man auch als Herr Bolsonaro (Regierungschef von Brasilien) auf die deutliche Kritik von Regierungsseite (CDU und SPD) an der diesjährigen Vernichtung von riesigen Urwaldflächen im Amazonas sinngemäß antwortete, man solle sich doch mal an die eigene Nase fassen. Wir können der Argumentation dieses Mannes zwar gar nichts abgewinnen, aber vor der eigenen Haustür zu kehren ist trotzdem manchmal ratsam. Auch hier in Isernhagen, vor allem, wenn es um das Thema Bäume geht.

Hier ein paar interessante Zahlen: Derzeit liegt die durchschnittliche Pro-Kopf-CO2-Emissionen bei rund 10 Tonnen pro Jahr. Nebenbei angemerkt, damit etwa doppelt so hoch wie der internationale Durchschnitt. Eine stattliche ca. 80 Jahre alte Buche bindet ca. 13 bis 18 kg Kohlendioxid am Tag, das sind 5 bis 6 Tonnen pro Jahr. Vereinfacht dargestellt, jeder von bräuchte also zur Kompensation seiner CO2-Emissionen mindestens zwei erwachsene gesunde Bäume.

Natürlich gibt es noch die anderen Pflanzen, aber trotzdem meinen Experten, dass die Bedeutung der Wälder in Bezug auf die CO2-Fixierung höher einzuschätzen ist, als ein Feld mit schnell wachsenden Gräsern. Denn Bäume speichern den Kohlenstoff über lange Zeiten im Holz und im Boden.

Weiterhin gibt ein ca. hundertjähriger Baum im Durchschnitt pro Stunde ca. 1.200 Liter Sauerstoff an die Luft ab. Wenn ein Mensch also 24 Liter Sauerstoff pro Stunde benötigt, liefert ein großer gesunder Baum fünfzig Menschen Luft zum Atmen.

Der einzelne Baum, vor allem ein über Jahrzehnte gewachsene gesundes Exemplar ist also wichtig für uns Menschen und zwar nicht nur am Amazonas, im Schwarzwald oder im Harz sondern tatsächlich hier vor Ort in Isernhagen.

Aber selbst in Anbetracht der Tatsache, dass klar ist, wie wichtig Bäume überhaupt sind und gerade auch für das regionale Mikroklima, schaffen es die anderen Fraktionen im Rat nicht, sich einen Ruck zu geben und einer nun schon seit Jahren von Seite Bündnis90/Die Grünen geforderten Baumschutzsatzung zuzustimmen.

Dabei fordern wir gar kein stures Verbot von Baumfällungen, sondern nur klare Regeln, die bei Bau- und Stadtplanung dafür sorgen, dass sich der Bestand an alten gesunden Bäumen nicht mehr als notwendig verringert und entsprechende Kompensationsanpflanzungen, wenn sich ein Fällen nicht verhindern lässt.

Am 26.11.19 in der nächsten Sitzung des HULK (Ausschuss für Hochbau, Umwelt, Liegenschaften und Klimaschutz) hätten wir die Chance, von Lippenbekenntnissen wegzukommen.