Grillfleisch aus unserer Region : Die Flucht vor dem Billigsteak

  • Veröffentlicht am: 28. Mai 2020 - 9:30

Artgerechte Tierhaltung

Artgerechte Tierhaltung

Die Massentierhaltung in Deutschland wächst weiterhin ungebremst, denn die Subventionen zielen immer noch in Richtung Produktion für den Exportmarkt. Aber statt Qualitätsware geht es um Massenware und Reste. Es geht um Stücke von Geflügel und Schwein, die bei uns niemand mehr isst und die als billige Tiefkühlware auf den Märkten Afrikas landen. Weil viele Menschen vor Ort in Folge der Dumpingpreise ihre Beschäftigung verlieren, zementieren die Industriestaaten mit den Exporten letztlich die Armut in Entwicklungsländern, verdrängen die lokalen Produzenten von den Märkten und behindern den Aufbau einer eigenen Landwirtschaft.

Auch wenn es nur einer von vielen Faktoren ist: prekäre Wirtschaftslagen erhöhen die Bereitschaft der Menschen, ihre Heimat hinter sich zu lassen.

Aber der Kreislauf geht noch weiter: Der Dünger aus der Tierhaltung fehlt auf den Äckern Afrikas, während Europa wegen der industriellen Tierhaltung in Folge der Einfuhr von Soja Überdüngungsprobleme hat. Zugleich zerstört der Sojaanbau Umwelt und bäuerliche Produktion in Südamerika und verändert soziale Strukturen in der Gesellschaft dauerhaft. Ungleichheit war schon immer ein Nährboden für Populismus und radikale Ideen.

Und bei uns in der Nachbarschaft, in einer Gemeinde und einer Region, die traditionell landwirtschaftlich geprägt ist? Viele familiäre Betriebe fallen dem Verdrängungskampf zum Opfer. Wachse oder weiche, das kann auf Dauer nicht funktionieren. Unser Grundwasser ist vielerorts mit Nitrat belastet, trinken und baden auf eigene Gefahr. Tierschutz erfolgt anlassbezogen, oder besser skandalbezogen. Die prekären Arbeitsbedingungen in vielen Schlachthöfen wurden uns in den vergangenen Wochen wiederholt schmerzhaft in Erinnerung gerufen.

Klasse statt Masse. Viele haben mittlerweile eingesehen, dass ein billig produziertes Stück Fleisch auf einem teuren Luxusgrill nicht besser wird.

Wir Verbraucherinnen und Verbraucher können auch weiterhin mit dem Geldbeutel abstimmen und alternative Tierhaltung unterstützen. Bioanbau und Neuland zeigen, dass es andere Produktionsmöglichkeiten gibt. Auch für das nächste Familiengrillen. Auch bei uns in der Nachbarschaft. Wir geben gerne Tipps und Hinweise unter info@gruene-isernhagen.de