Expert*innen plädieren beim Zukunftsgespräch für Recycling: Verbrennung oder Pyrolyse? Wo liegt die Zukunft des Klärschlamms?

  • Veröffentlicht am: 23. April 2021 - 13:50

Zukunft der Klärschlammverwertung 3

Am 14.04.2021 nutzten 150 Zuhörer*innen bei einer fachlich anspruchsvollen und zugleich sehr unterhaltsamen Onlineveranstaltung die Möglichkeit, sich über das komplexe Thema eine Meinung zu bilden. Dr. Gretha Burchard, Bürgermeisterkandidatin der Grünen in Isernhagen, und Julia Stock vom Vorstand der Regionsgrünen Hannover moderierten das gelungene Podium.

Seit 2017 darf Klärschlamm nicht mehr wie zuvor uneingeschränkt auf den Acker gebracht werden, damit Schadstoffe wie Arzneimittelrückstände oder Mikroplastik nicht in die Umwelt gelangen. Andererseits ist ein Gesetz geplant, nach dem der in dem Produkt enthaltene wertvolle Phosphor zurückgewonnen werden muss. Derzeit werden als Notlösung große Mengen Klärschlamms beispielsweise in Zementwerkenmitverbrannt. Bei Kritikern ist der Eindruck entstanden, dass durch den Handlungsdruck in Hannover möglicherweise Entscheidungen getroffen wurden, die nicht zukunftsfähig sind.

In der Kritik steht dabei die in Hannover-Lahe nahe des Altwarmbüchener Sees  geplante zentrale Monoverbrennungsanlage. Dort soll künftig Klärschlamm aus bis zu 200 Kilometern Entfernung verbrannt werden. Dabei würde nur phosphorhaltige Asche übrig bleiben, wodurch der Stoff nicht pflanzenverfügbar sei. „Natürlich ist es schwierig, den Bau einer einmal geplanten und offensichtlich auch teilgenehmigten Anlage im Nachhinein zu stoppen. Andererseits haben uns die Wissenschaftler bei der Veranstaltung sehr deutlich gemacht, dass durch die Verbrennung unnötig großeMengen CO2 freigesetzt werden“ so Julia Stock vom Regionsverband der Grünen. Klärschlamm sei kein Abfall und er dürfe daher dem Nährstoffkreislauf nicht entnommen werden.

„Die Ressourcen aus der Schüssel sind der Schlüssel“, so die einhellige Meinung derWissenschaftlerInnen, die zusammen mit Dr. Schüle von Enercity und dem Isernhägener Landwirt Bätke ihre Fachkompetenz einbrachten. Behandlung vor Ort an den Klärwerken ohne LKW-Transporte und ohne Warten auf das Knowhow einer späteren Phosphatrückgewinnung – das müsse das Ziel sein. Der Grund: Die bei derdezentralen Pyrolyse angewandte Verschwelung erzeuge Energie, binde dauerhaft CO2 in Form von Kohlenstoff und sei somit schon heute emmissionsnegativ und klimapositiv. Das Produkt könne derzeit schon als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft verwendet und zukünftig voraussichtlich auch als Dünger zugelassen werden.

Durch die Pyrolyse, wie sie beispielsweise von Podiumsteilnehmer Dr. Heinrich im sächsischen Niederfrohna bereits erfolgreich betrieben wird, existiert ein erfolgreiches Verfahren, das nach seiner Aussage auch mulitiplizierbar ist. „Mit unserer Veranstaltung wollen wir auch zeigen, dass wir bei diesem Thema nicht lockerlassen werden,“ so Dr. Gretha Burchard. Ziel der Grünen sei es für die Zukunft daran zu arbeiten, dass eine Verbrennung ausgeschlossen werde. „Es gibt klar klimafreundlichere Alternativen“, so Burchard.