Gedanken zu den Planungen zum "neuen Zentrum Isernhagen": Wohnzimmer anstatt Durchgangsflur

  • Veröffentlicht am: 7. Juli 2020 - 10:33

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Das heutige "Zentrum"

Es hat so schön angefangen, als das Projekt „Sanierung Zentrum Isernhagen" im Jahr 2015 in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" aufgenommen wurde. Das Programm hat erstrebenswerte Ziele wie die Verbesserung der Aufenthaltsqualität, die Etablierung von Kultur- und Freizeitangeboten, sowie auch den "Abbau der Belastung durch hohes Verkehrsaufkommen für das Lebensumfeld der zentrumsnahen Wohnbereiche". 

 

Es gab so viel Hoffnung, gar Aufregung, dass endlich ein lebendiges Zentrum in Altwarmbüchen entstehen würde. Die Sehnsucht nach solch einem Ort konnte man auch an der hohen Beteiligung der Altwarmbüchener an der "Informationsammlungsphase" sehen. Bürger*innen sowie ein Architektenbüro haben sich eingebracht, aber viele der vorgestellten Ideen wurden als nicht umsetzbar abserviert. Jetzt steht fest, dass es auch mit dem Abbau der Belastung durch hohes Verkehrsaufkommen nichts wird. Noch schlimmer: die bisherige Tempo-10-Zone soll durch eine Tempo-20-Zone ersetzt werden. Da kann man nur hoffen, dass aus der Zentrumsanierung letztendlich mehr als einfach nur eine Straßensanierung wird.  

 

Eigentlich sind wir uns doch einig, was ein gutes Gemeindezentrum ausmacht. Es ist ein Ort, wo man sich in Ruhe setzen kann, wo man gern spazieren geht, wo man sich mit Freund*innen treffen kann. Wo man die Kinder spielen lässt, ohne ständig auf den Verkehr achten zu müssen. Ein Zentrum ist unser gemeinsames Wohnzimmer – ein Ort, an dem wir uns wohl und sicher fühlen. Der Meinung zu sein, dass eine Fahrstraße so einem Zentrum nicht schadet, ist so ähnlich, wie wenn man behaupten würde, dass man die Gäste genauso gut in den viel belaufenen Flur wie ins Wohnzimmer setzen kann. Menschen fühlen sich gehetzt und unwohl, wenn sie ständig auf den Verkehr aufpassen müssen. 

 

Aber es geht nicht nur ums Wohlgefühl, es geht auch um Wirtschaft. Darum, dass in einer Zeit des Online-Handels die Menschen nicht mehr ins Zentrum fahren müssen, um etwas zu kaufen. Um die Geschäfte im Zentrum weiterleben und sie aufblühen zu lassen, müssen nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern auch schöne Erlebnisse verkauft werden. Es geht nicht mehr darum, dass man schnell parkt, etwas kauft und wegfährt. Es geht um Aufenthaltsqualität, darum, dass man ohnehin gern Zeit im Zentrum verbringt und weil man sowieso da ist, kauft man auch gerne dort ein und unterstützt damit die Leute in der eigenen Gemeinde.

 

Es war zu erwarten, dass ein so ambitioniertes Vorhaben sich nicht ohne Protest realisieren lässt. Es gab Proteste von Anwohner*innen, die die Bushaltestelle nicht vor Ihren Haustüren wollten, und Gegenstimmen zur Fußgängerzone von Gewerbebetreibenden, die Angst hatten, dass die längeren Laufwege vom Parkplatz Kund*innen vom Einkaufen im Zentrum abhalten würden. Diese Proteste sind verständlich und legitim. Die Nachteile für sich selbst kann man klar und deutlich sehen, während es schwer ist, sich vorzustellen, wie diese Änderungen sich auf die Lebensqualität im gesamten Ort auswirken können. Was bei dem Ganzen fehlte, war die Begeisterung und Führung seitens der Gemeinde Verwaltung. Man hat gespürt, dass nach jedem Protest einer Interessensgruppe, nach jeder Schwierigkeit bei der Implementierung das Vorhaben mehr und mehr aufgegeben wurde. Anstatt die Menschen zusammenzubringen, ihre Sorgen anzusprechen, sie zu inspirieren und zu überzeugen für das Gemeinwohl Kompromisse einzugehen, wurde alles nur auf bloßen Interessenskampf reduziert. Jede*r wurde allein gelassen, für sich selbst zu kämpfen.

 

Aber das lebendige Altwarmbüchener Zentrum ist uns viel zu wichtig, um zu resignieren und es so weitergehen zu lassen. Wenn Sie zu dem Thema etwas zu sagen haben, Ideen einbringen möchten oder sich einfach austauschen wollen, wenden Sie sich gern an uns: zukunft@gruene-isernhagen.de.

Aziz Klebleyev